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YAMATO - THE DRUMMERS OF JAPAN yamato4

Wir besuchten die neue Show KAMI-NARI 2006 in der Komischen Oper Berlin

Als die Yamato das erste mal in Berlin waren, sind uns die Termine durch die Lappen gegangen. Eigentlich waren wir auch gar nicht darauf vorbereitet und unsere Wahrnehmung für diese Faszination entwickelte sich zu spät. Aber wir hatten uns damals vorgenommen: Eine zweite Chance lassen wir uns nicht entgehen!
2006 war es dann so weit. Bereits im April 2006 haben wir uns um die Karten bemüht. Thomas, DH7TS, sicherte uns per Internet die Plätze in hervorragender 10. Reihe des Parketts - sozusagen in zentraler Position.
Das Interesse war groß, aber letztlich stellte es sich heraus, dass der Zeitfonds der einzelnen OM's bzw. ihrer Familienangehörigen soweit im voraus nicht oder schlecht abschätzbar war und, ganz aktuell,  die derzeitige Wetterlage so manchen davon abhielt, sich in den tiefsten Stein der Stadt zu begeben.
Es war in der Tat an diesem Abend des 25.Juli 2006 extrem warm in Berlin - Mitte: 31,5°C.
Die, die es trotzdem gewagt hatten, trafen sich gegen 19:30 Uhr vor der Komischen Oper.
Wir waren immerhin 10 Personen: 5 Kollegen und Bekannte von Thomas, DH7TS, und Peter, DL7JPK, Willfried, DD6UMW, XYL Monika, und Peter, SWL DBO145.
Erst harrten wir draußen auf dem Vorplatz aus, aber bald kriegten wir mit, dass es innerhalb des Opernhauses wunderbar kühl war. Also nutzten wir die gute Klimaanlage des Hauses, wie schon viele anderen Besucher ebenfalls, und warteten in etwas angenehmer temperierten Umgebung mit einem Drink in der Hand auf den Vorstellungsbeginn.  Und dann ging es los...!
Oh, Mann! Was kam da über uns ?
yamato1In Japan findet man den Namen "Yamato" auf Schritt und Tritt. Große Industrie-Unternehmen, Comic-Helden, Sport-Gruppen oder Kochschulen heißen so, die größte Klasse japanischer Kriegsschiffe im Zweiten Weltkrieg z.B. war die Yamato-Klasse. Ein überaus geschichtsträchtiger Name, denn "Yamato" ist die Bezeichnung für das alte, historische Japan, das sich ungefähr 400 n. Chr. im Gebiet der heutigen Präfektur Nara herausbildete. Das Ensemble Yamato, The Drummers of Japan, kommt aus eben dieser Präfektur und gehört, neben den weltweit bekannten Trommlern von Kodo, inzwischen zu den erfolgreichsten Trommelgruppen aus Japan.
Um das Fahrad nicht zweimal zu erfinden bediene ich mich bei der sachlichen Beschreibung dieser Bühnenshow eines Internetkollegen von der HP Jazzthetik, Holger Erdmann:
Im Mittelpunkt der Show von Yamato stehen die verschiedenen japanischen Trommeln. Eindrucksvollstes Exemplar in der Trommel-Sammlung ist die Miya-daiko, ein Koloss von einer Trommel. "Die Miya-daiko ist die verbreitetste und zugleich grundlegendste Trommel", erklärt Masaaki Ogawa. "Sie ist aus einem Block Holz hergestellt, der ausgehöhlt wird. Auf beiden Seiten sind die Membranen aus Rinderfell, die mit Nägeln befestigt sind. Die größte Miya-daiko, die wir haben, misst im Durchmesser fast zwei Meter. Sie hat ein Gewicht von etwa 450 Kilogramm."

yamato3Wenn die Miya-daiko geschlagen wird, spürt man das tiefe Dröhnen überall, nicht bloß in den Ohren. Ein Vibrieren durchflutet den ganzen Körper. Es ist nicht sonderlich überraschend, dass diesen Trommeln in Japan göttliche Kräfte beigemessen werden. Jahrhundertelang wurden die Trommeln in Japan ausschließlich für religiöse Zeremonien verwendet. Dieser Aspekt ist bei Yamato allerdings in den Hintergrund getreten. "Früher stand das Religiöse ziemlich im Vordergrund", erzählt Ogawa. "Es war gewissermaßen ein Zwiegespräch mit den Göttern, das die Arbeit des Trommlers gekennzeichnet hat. Bei uns ist das je nach dem jeweiligen Stück unterschiedlich. Es gibt aber Stücke, die aus einer religiösen Vorstellung heraus entstanden sind. Wenn man so will, sind eigentlich alle Stücke an die Götter adressiert. Unsere Götter sind allerdings von anderer Natur als der christliche Gott des Westens. Unsere Seelen können mit den Göttern oder den Seelen der Verstorbenen, die in sehr unterschiedlicher Form auftreten, kommunizieren."

yamato2In der aktuellen Show verbinden die zehn Trommler Traditionelles mit Modernem. Die Show bietet eine variantenreiche Mixtur aus Perkussion und Choreographie, die mal dramatisch, mal mit Humor in Szene gesetzt wird. Ob Perkussion, ob Donnerschläge der Miya-daiko - auf der Bühne bieten Yamato eine imposante Show. Die ausgefeilte Licht- und Bühnenregie und die exotischen Kostüme - höchstpersönlich entworfen vom einstigen Grafikdesigner Ogawa - sorgen dabei für zusätzliche optische Reize. Dreh- und Angelpunkt des Programms ist nach Aussage Masaaki Ogawas der menschliche Herzschlag. "Was immer man von einem Menschen äußerlich wahrnehmen kann - im Zentrum seines Lachens oder Weinens ist das Schlagen seines Herzen zu vernehmen. Und das wird von seiner Seele bewegt. In unserem Konzert machen wir den Klang der Trommel hinter dem Weinen und Lachen hörbar. Und das ist der Klang der Seele, des Herzens."

Ich hätte es nicht besser beschreiben können. Mir und all den anderen aus unserer Truppe ist es ähnlich ergangen. Die Urgewalt dieser Trommeln hat in uns Assiozationen hervorgerufen, die an die Anfänge der menschlichen Zivilisationen führen. Das Trommeln, der Schlag gegen einen großen Gegenstand, gegen einen Felsen, gegen einen Baumstamm oder sogar auf den Erdboden...
waren das nicht die ersten primitiven Mittel der Signalübertragung über größere Entfernungen? Man kann das noch heute bei einigen Eingeborenstämmen finden. Und dann die suggestive Kraft dieser Trommeln ....wie ein Schauer durch Mark und Bein...
Spätestens jetzt werden wahrscheinlich einige mit den Schultern zucken: Ja - aber es war so laut....! Ja,ja, richtig, es war wirklich laut.  Das ist auch so ein Preis unser ach so zivilisatorischen Entwicklung: Wir haben es verlernt , mit unserer Seele zu kommunizieren. Das Gefühl ist dem nüchternen Verstand gewichen, anstatt sich gleichberechtigt nebeneinander zu entwickeln.
Da tut es gut, mal richtig urgewaltig durchgeschüttelt zu werden.
Nach diesen kurzen zwei Stunden verließen wir die Komische Oper mit dem Gefühl, dem Start einer Weltraumrakete beigewohnt zu haben: archaisch, magisch und atemberaubend modern.

 

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