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MOSKAU, (RIA Novosti). Der 10. Februar 2009 wird in die Geschichte eingehen, denn an dem Tag kollidierten erstmals zwei Satelliten im All. Darüber schreiben die Tageszeitungen „Moskowski Komsomolez“ und „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

Etwa um 20 Uhr Moskauer Zeit hat eine NASA-Beobachtungsstation auf Alaska einen Zusammenstoß der Raumapparate in etwa 790 Kilometer Höhe über Sibirien beobachtet.

Bei der Kollision des US-amerikanischen Iridium-33-Nachrichtensatellits und des russischen Kosmos-2251-Satellits entstanden zwei Wolken mit etlichen Trümmerteilen. Allein die Zahl der großen Teile dürfte sich auf etwa 600 belaufen. Die Zahl der kleineren Partikel, die einen Durchmesser von weniger als zehn Zentimetern aufweisen, ist derzeit nicht festzustellen.

Die Trümmer stellen ein zusätzliches Hindernis für Satelliten dar, die die Erde auf niedrigen Umlaufbahnen über dem Polarkreis umkreisen. Von dieser Umlaufbahn aus ist die Erde wie auf einem Präsentierteller sichtbar. Ob unser Raketenabwehrsystem und unsere Luftverteidigung in der Lage sein werden, einen Teil eines sich zur Erde bewegenden Objekts aus dem Weltall zu erfassen und zu vernichten?

Solche Teile zu entdecken sei kein Problem, sagen russische Militärs, doch sie zu vernichten wohl kaum. Russlands Luftverteidigungsystem sei in der Lage, ein Objekt abzufangen, dessen maximale Geschwindigkeit 4,8 km pro Sekunde ausmacht. Doch in diesem Fall sei die Luftverteidigung mit viel schnelleren Objekten konfrontiert.

Das russische S300-Fla-System kann Objekte vernichten, die sich mit einer Geschwindigkeit von 1800 Meter pro Sekunde bewegen. Ein modernisiertes S300 PMU2-System kann sich auch mit einer Geschwindigkeit von 2800 Meter pro Sekunde fertig werden. Lediglich das neueste S400-Fla-Raketensystem würde ein Objekt mit einer Geschwindigkeit von 4800 Meter pro Sekunde zerstören können.

In Russland gebe es nur zwei mit S400-Systemen ausgestatteten Einheiten, die um Moskau stationiert sind, sagen Experten. Die Stadt Moskau selbst verfügt auch über ein Raketenabwehrsystem, das schnell fallende Objekte aus dem Weltraum vernichten kann. Die Frage ist nur: Dieses System ist ausschließlich mit nuklearen Abfangraketen ausgestattet, die Raketen mit konventionellen Sprengköpfen waren nicht vorgesehen.

Vernichtet man solch ein Objekt mit einer atomaren Rakete notgedrungen auf einer niedrigen Höhe, würde eine nuklear verseuchte Wolke und die restlichen Trümmerteile ein großes Gebiet auf der Erde kontaminieren. Dadurch würden wir selbst eine nukleare Katastrophe schaffen, so Experten.

Igor Lissow, Redakteur des russischen Zeitschrift „Neues aus der Weltraumfahrt“, vertritt die Meinung, dass die sich auf der Höhe von etwa 800 Kilometer befindlichen Trümmerteile die Erde noch etwa 100 Jahre umkreisen würden, bevor sie alle mit Erde kollidieren - je näher sie zur Erde sind, desto stärker ist die Abbremsung. Die Chance, dass solch ein Teil auf den Kopf fällt, beträgt eins zu mehreren Millionen. Was jedoch bedenklich ist: Vor dem 10. Februar hatte man die Chance eines solchen Zusammenstoßes im All genauso hoch eingeschätzt.

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