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13:39 Uhr - Wegen der westlichen Sanktionen muss Russland die Entsendung seiner Missionen zum Mond verschieben, obwohl dessen Erschließung für die Raumfahrt maßgeblich wichtig ist. Darauf verweist ein zuständiger russischer Forscher. Er bestätigt die Hoffnung, Wasser am Südpol des Mondes zu finden.

Igor Mitrofanow, Abteilungschef für Nukleare Planetologie am Institut für Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Onlinezeitung gazeta.ru: „Gemeinsam mit unseren Kollegen von der Forschungs- und Produktionsvereinigung Lawotschkin nehmen wir derzeit an der Vorbereitung von Mond-Projekten teil. Zwei große Landestationen sollen am Südpol des Mondes aufsetzen. Aus unserer Sicht ist das eine sehr interessante Forschung, die den künftigen Entwicklungs-Vektor der Raumfahrt wesentlich mitbestimmen soll.“

Mitrofanow erläuterte: „Wie es sich herausstellte, haben sich viele flüchtige Verbindungen im Regolith nahe den beiden Polen angehäuft. Am wahrscheinlichsten werden sie von Kometen dorthin mitgebracht. Bei seiner Kollision mit dem Mond verdampft der Komet und es entsteht dort vorübergehend eine Atmosphäre, die dann als Reif auf der kalten Oberfläche ausfällt. Hundertmillionen Jahre lang haben sich Wasser und weitere flüchtige Verbindungen an den Polen angehäuft.“

„Wenn es dort viel Wasser gibt, bekommen künftige Mond-Missionen faktisch Naturvorräte für ihre Lebenserhaltung. Haben wir Wasser, so haben wir auch Sauerstoff für das  Lebenserhaltungs-System sowie Wasserstoff als Treibstoff für die Raketentriebwerke. Der Mond ist der künftige kosmische Kontinent der Erd-Zivilisation. Russland muss alle erforderlichen Kenntnisse und Technologien besitzen, um ihn mit zu erschließen“, so der Forscher.

Im Rahmen des Projektes Luna-Glob soll ein Roboter laut Mitrofanow im Zeitraum von Oktober 2018 bis Januar 2019 auf dem Mond landen – später als ursprünglich geplant. Der Start der nächsten Sonde wurde ebenfalls verschoben: „Wir mussten die Bordsysteme zum Teil umkonstruieren, denn sie basierten auf Komponenten, die mit Sanktionen belegt sind.“

Mitrofanow erklärte, warum der Anteil ausländischer Komponenten nach dem Zerfall der Sowjetunion so hoch angestiegen war: „Angesichts des praktisch freien Marktes kamen Vertreter westlicher Unternehmen in unser Institut und redeten bei zahlreichen Präsentationen buchstäblich auf uns ein, damit wir ihre Komponenten kaufen. Wir wählten das Passendste.“

Zwar sei Russland fähig, die gleichen Komponenten auch selbständig zu bauen, doch lasse sich die Situation an einem Beispiel aus der Autobranche erklären: „Wenn Sie in einem Autozentrum einen Volvo kaufen, sind Sie auf diese Marke künftig quasi angewiesen. Um etwa einen Schlauch auszutauschen, müssen Sie sich wieder an einen Volvo-Händler wenden. Denn ein Schlauch von Toyota, Nissan oder Lada wird halt nicht passen. So geschieht es auch mit Baugruppen unserer Raumfahrtgeräte (…) Im Fall Luna-Glob mussten wir die ursprünglichen Lösungen an manchen Bordsystemen ändern und diese Systeme neu fertigen – diesmal mit russischen Komponenten.“

Die Sanktionen haben nach Angaben des Forschers auch Auswirkungen auf die russische Kooperation mit der ESA: „Für den europäischen Mars-Rover im Rahmen des Projektes ExoMars bauen wir derzeit das Gerät ADRON. Ursprünglich planten wir es als vollständiges Pendant zu unserem Gerät DAN, das am amerikanischen Mars-Fahrzeug Curiosity erfolgreich funktioniert. Doch angesichts der neuen Verhältnisse mussten wir das ADRON-Gerät faktisch komplett umkonstruieren, um es mit neuen Komponenten auszustatten.“

(Quelle: Sputnik Deutschland / Copyright © Sputnik)

 

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