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Offenbach – Der „Siebenschläfer“ gehört zu den meteorologischen „Lostagen“, die in früheren Jahrhunderten durch Wetterbeobachtungen in der Landwirtschaft entstanden sind - ebenso wie viele andere bäuerliche Wetterregeln. Wenn es am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, regnet, soll es nach dem Volksglauben in den folgenden sieben Wochen jeden Tag regnen. Die entsprechende Bauernregel heißt jedoch: „Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag." Es geht also genau genommen gar nicht nur um Regen, sondern um die Gesamtwetterlage. Dabei ist der Stichtag 27. Juni nur durch die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582 zu Stande gekommen. Papst Gregor hatte damals angeordnet, dass dem 4. Oktober 1582 der 15. Oktober 1582 zu folgen habe. Der im Mittelalter genutzte Julianische Kalender hatte nämlich ein Jahr, das um 11 Minuten länger als das astronomische Jahr war. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich dieser geringe Zeitunterschied bis auf 11 Tage summiert und sollte so ausgeglichen werden. Der eigentliche Siebenschläfertag ist somit der 8. Juli.

Nicht der Siebenschläfertag ist entscheidend, sondern die Großwetterlage

Entscheidend für diese Wetterregel ist aber erfahrungsgemäß sowieso nicht der einzelne Tag, sondern der gesamte Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli. Tatsächlich ist nämlich die Wahrscheinlichkeit für einen zu kühlen und zu feuchten Sommer generell relativ groß, wenn Ende Juni bzw. in der ersten Julidekade der Luftdruck über Mitteleuropa insgesamt unternormal ist, d.h. wenn zu diesem Zeitraum schlechtes Wetter überwiegt.

Der Hintergrund: Verläuft der Jetstream, das ist ein höheren Troposphärenschichten ausgeprägtes Starkwindband, über dem Ostatlantik und Europa recht weit südlich, so wird im Mittel auch ein hoher Unterschied im Luftdruck zwischen Norden (Islandtief) Süden (Azorenhoch) aufgebaut. Dies führt oft zu einer übernormal lang andauernden Zufuhr feuchter und im Sommer als kühl empfundener Luftmassen vom Nordatlantik nach Mitteleuropa, also bei uns zu eher unbeständig-kühlem Wetter.

Trefferquote ist bescheiden

Sie liegt im Binnenland nur bei etwa 55 bis 60 Prozent, im Alpenvorland bei etwa 70 Prozent. Aber auch nur, wenn man die Regel nicht sonderlich eng auslegt, also auch nicht sieben Wochen, sondern vielleicht nur vier betrachtet. Computergestützte moderne Vorhersagen haben demgegenüber eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit.

Der Name Siebenschläfer hat übrigens folgenden biblisch-historischen Hintergrund: Der Legende nach flohen sieben Brüder in Ephesos (Griechenland), während einer Christenverfolgung unter dem Römerkaiser Deceus, im Jahre 251 nach Christi in eine Höhle des Berges Ochlon und wurden dort eingemauert. Sie sollen im Jahre 446 wieder zum Leben erwacht sein, um Zeugnis für die Auferstehung der Toten zu geben. Mit dem gleichnamigen Nagetier hat der Siebenschläfertag also nichts zu tun. Dies gilt ebenso für den Siebenbrüdertag am 10. Juli.

(Quelle: Pressemitteilung DWD)

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