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Russland hat Kasachstan im Streit um die Nutzung des Weltraumbahnhofs Baikonur ein Ultimatum gestellt.

Dies schrieb die Zeitung "Iswestija" am Donnerstag.

Im Vorfeld des für den 24. und 25. Januar geplanten Moskau-Besuchs des kasachischen Außenministers Jerlan Idrissow hat das russische Außenministerium eine Note an Astana gerichtet. In dem Dokument wurden die Maßnahmen aufgezählt, zu denen Moskau greifen könnte, falls Kasachstan seine Entscheidung über die Kürzung der Zahl der russischen Raketenstarts von dem Weltraumbahnhof nicht zurücknimmt.

Am 28. Dezember 2012 hatte die kasachische Regierung einen Plan für die Raketenstarts 2013 gebilligt, der große Empörung in Moskau hervorrief. Die Weltraumstarts der Proton-Trägerraketen wurden von 14 auf zwölf verringert. Außerdem wollten die Kasachen, dass Russland seine Raketen erst nach Abschluss eines entsprechenden Vertrages startet.

Angesichts dessen hat Moskau Astana mit der völligen Einstellung der Raumfahrt-Kooperation gedroht. „In der entstandenen Situation wird sich Russland seine Position zur Zweckmäßigkeit der weiteren Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten wie Dnepr, Baiterek usw. anders überlegen müssen“, heißt es in der Note.

Zugleich verwiesen die Russen auf die Absicht der kasachischen Seite, die Zahl der russischen Raketenstarts zu kürzen. „Mit der kasachischen Seite müssen keine Starts abgesprochen werden, die dem Pachtvertrag nicht widersprechen und die nicht über den Rahmen der vereinbarten Rechte des Pächters hinausgehen.“ In diesem Kontext wurde Astana vorgeworfen, gegen den Pachtvertrag verstoßen zu wollen.

Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos teilte mit, fünf kommerzielle Programme nicht erfüllen zu können, falls die Zahl seiner Raketenstarts tatsächlich gekürzt werde. Die Verluste könnten sich auf 500 Millionen Dollar belaufen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen Moskau und Astana Ärger um die Nutzung des Weltraumbahnhofs Baikonur gibt. So mussten sich die Präsidenten beider Länder im Sommer 2012 einmischen, als Russland mehrere Raumapparate starten wollte, wobei Zündstufen der Trägerraketen auf kasachischen Boden gefallen wären. Kasachstan hatte bereits 2007 ein entsprechendes Regierungsabkommen gefordert. Dieses Thema schien vom Tisch geräumt worden zu sein, als sich Russland bereit zeigte, dafür 460 000 Dollar pro Jahr zu zahlen. Nach einem Astana-Besuch des russischen Staatschefs Wladimir Putin im Juni 2012 wurde diese Vereinbarung bestätigt.

Aus dem jüngsten Beschluss der kasachischen Regierung geht jedoch hervor, dass das Dokument immer noch nicht unterzeichnet wurde.

Experten führen die jüngsten Kontroversen auf Russlands Absicht zum Bau eines Weltraumbahnhofs im Gebiet Amur zurück, von dem die erste Rakete bereits 2015 gestartet werden soll.

„Falls Russland Baikonur verlässt, wäre Kasachstan nicht imstande, den Raumbahnhof allein zu unterhalten – es hat einfach keine Spezialisten mit entsprechender Qualifikation“, sagte Iwan Moissejew vom Institut für Weltraumpolitik. „Dabei ist der Weltraumbahnhof nicht die wichtigste und vor allem nicht die komplizierteste Frage in den russisch-kasachischen Beziehungen. Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet Baikonur immer wieder zu einem Streitpunkt wird. Die Diplomaten beider Länder sollten möglichst maßvoll vorgehen“, so der Experte.
(RIA Novosti)

 

 

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