logo

max-planck-gesellschaft
Mit einer Spiegelgröße von 247 Quadratmetern nimmt das zweite MAGIC-Teleskop auf La Palma seinen wissenschaftlichen Betrieb auf. Zusammen mit dem MAGIC I-Teleskop bietet das weltweit größte Gammastrahlenteleskop nun neue astrophysikalische Forschungsmöglichkeiten. Die Untersuchung von Beschleunigungsmechanismen für Elementarteilchen in galaktischen und extragalaktischen Objekten beispielsweise erlaubt neue fundamentale Einsichten in die Geschichte von gewaltigen Strahlungsvorgängen im Universum.
Mit der "First Light Zeremonie" stellt die MAGIC-Kollaboration am 24. und 25. April offiziell ihr zweites MAGIC (Major Atmospheric Gamma-ray Imaging Cherenkov) Teleskop auf der Kanareninsel La Palma der Öffentlichkeit vor. Dieses Ereignis markiert nicht nur die Fertigstellung des zweiten Teleskops, sondern auch den Start der zweiten Phase des Experiments - MAGIC-II.

das_magic-ii_teleskop_ist_startklar
Zusammen warten die beiden Teleskope auf die Nacht. Dann können
MAGIC-I (links) und MAGIC-II (rechts) das Universum stereoskopisch,
also räumlich, beobachten. Dies bietet nun neue astrophysikalische
Forschungsmöglichkeiten
Max-Planck-Institut für Physik/R. Wagner
Mit MAGIC-II wollen die Wissenschaftler neue galaktische und extragalaktische Quellen hochenergetischer Gammastrahlung entdecken. Diese Strahlung stammt von den gewaltigsten Prozessen im Universum, wie Sternexplosionen, Pulsarwind-Nebeln und aktiven Galaxienkernen. Die hervorragenden atmosphärischen Bedingungen auf dem 2200 Meter hoch gelegenen Roque-de-los-Muchachos-Observatorium erlauben den MAGIC-Teleskopen, die hochenergetische Gammastrahlung durch Cherenkov-Lichtblitze zu messen. Dieses bläuliche Licht wird von Sekundärteilchen ausgestrahlt, welche durch die ursprünglichen Gammastrahlen in der Atmosphäre erzeugt werden. Mit ihren beiden, im Durchmesser je 17 Metern großen, Spiegelflächen sind die MAGIC-Teleskope die größten Cherenkov-Teleskope der Welt.

Das 2004 in Betrieb genommene erste MAGIC-Teleskop kann bereits eine Reihe herausragender Resultate vorzeigen, insbesondere die Entdeckung der beiden weitentferntesten aktiven Galaxienkerne im Gammalicht sowie Untersuchungen der weithin unverstandenen Gammastrahlungsblitze. Zudem konnte MAGIC vor kurzem erstmals gepulste hochenergetische Gammastrahlung vom Krebsnebel nachweisen.

Um die Gammastrahlung mit einer noch höheren Empfindlichkeit zu messen, begann die MAGIC-Kollaboration bereits 2005 mit der Konstruktion von MAGIC-II. Das zweite MAGIC-Teleskop entspricht weitestgehend dem ersten Teleskop mit einem mosaikartigen, 247 Quadratmeter großen Spiegel. Dieser wird getragen von einer besonders leichten und widerstandsfähigen Kohlefaserstruktur. Dank eines leistungsfähigen Antriebssystems kann das Teleskop innerhalb von 40 Sekunden jeden Punkt am Himmel anvisieren, um die mysteriösen kurzen Gammastrahlungsblitze ("Gamma Ray Bursts") zu untersuchen. 85 Meter voneinander entfernt können beide Teleskope stereoskopisch betrieben werden, d. h. die Gammastrahlungsblitze räumlich beobachten.

Die Wissenschaftler hoffen nun, viele neue und unverstandene Gammastrahlungs-Quellen zu entdecken. Abgesehen von den Untersuchungen der Gammaquellen selbst können sie auch zum tieferen Verständnis des gesamten Universums und grundlegender Physik beitragen, indem sie beispielsweise zur Suche nach dunkler Materie oder zu neuen Erkenntnissen über Quanteneffekte der Gravitation verhelfen. Erste Resultate von MAGIC-II werden voraussichtlich bereits im Frühsommer 2009 vorliegen.

Eine große internationale Kollaboration baute und betreibt die MAGIC-Teleskope. Momentan besteht dieser Zusammenschluss aus etwa 150 Wissenschaftlern aus Instituten aus Deutschland, Italien, Spanien, der Schweiz, Polen, Finnland, Kroatien, Bulgarien und den USA, welche sich auch die geschätzten vier Millionen Euro Baukosten des zweiten Teleskops geteilt haben. Das Max-Planck-Institut für Physik in München nimmt innerhalb von MAGIC eine führende Rolle ein. Aus Deutschland sind weiterhin die Universitäten Würzburg und Dortmund sowie das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) Zeuthen beteiligt.

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

© 2022 Funkzentrum In Media e. V.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.