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14:49 hr - Russische Forscher haben eine Eisprobe aus dem Wostok-See in der Antarktis genommen. Am Freitag wurde jedoch erklärt, dass die Suche nach Lebenszeichen unter der dicken Eisschicht mehrere Monate dauern könnte.

„Lassen Sie uns nicht alle Karten auf einmal aufdecken“, sagte Wladimir Lipenkow, Klimaexperte des Russischen Instituts für Arktis- und Antarktis-Forschung, Ende der vergangenen Woche auf einer Pressekonferenz bei RIA Novosti.

Das aus 3,5-Kilometer-Tiefe geholte Eis befindet sich nach seinen Worten an Bord des Forschungsschiffes „Akademik Fjodorow“, das erst im Mai in St. Petersburg erwartet wird. Dann sollen sich die Experten mit der Analyse der Eisprobe befassen. Die Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres veröffentlicht werden, kündigte Lipenkow an.

Auf der Pressekonferenz in St. Petersburg mit Live-Schaltung nach Moskau sagte der Experte, dass es im Wostok-See einzigartige Mikroorganismen geben könnte, die sich im Laufe von mehr als 18 Millionen Jahren abgeschottet entwickelt haben.

Seit 1995 bohren sich russische Experten zu dem See unter dem  Eis vor. Im vergangenen Jahr erreichten sie das Gewässer.  Wegen der schlechten Wetterbedingungen am Südpol konnten nur auf der Oberfläche des Sees Eisproben genommen werden. Im Januar sei das Bohrloch wieder zugefroren, betonte Lipenkow.

Bislang seien noch keine Lebensformen entdeckt worden, die im Wostok-See existieren könnten, so der Experte weiter. Der Sauerstoffgehalt sei dort 50 Mal höher als in herkömmlichen Gewässern.

Bei einer vorläufigen Analyse, deren Ergebnisse Ende 2012 veröffentlicht worden seien, seien keine einzigartigen Bakterien gefunden worden. Auf dem Seeboden könnte es jedoch Thermalquellen geben, weshalb nicht auszuschließen sei, dass es dort Mikroorganismen gebe, ergänzte Lipenkow.

Nikolai Wassiljew von der Mineral- und Rohstoff-Universität in St. Petersburg teilte mit, dass als nächster Schritt Wasserproben unter dem Wasserspiegel genommen werden sollen. Die durchschnittliche Tiefe des Wostok-Sees liege bei mehr als 300 Metern. Die Bohrarbeiten werden fortgesetzt, um den Boden des Gewässers zu erreichen.

Der für die Bohrungen zuständige Forscher Wassiljew behauptet, dass die Gewinnung dieser Wasserproben noch schwerer als auf dem Mond oder auf dem Mars fallen werde.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) habe die Expedition der russischen Polarstation Wostok bis 2018 gebilligt, sagte Expeditionsleiter Valeri Lukin.

Nach seinen Worten sind im Jahr 2012 etwa 1,1 Milliarden Rubel (umgerechnet 35 Millionen Dollar) für die Erforschung der Antarktis bereitgestellt worden. Etwa 465 Millionen Rubel (15 Millionen Dollar) seien auf die Finanzierung der Polarstation Wostok entfallen.

Sie wurde im Jahr 1957 gegründet. Sie ist eine der russischen Antarktis-Stationen, die durchgehend betrieben werden. Anfang 2014 soll die Station umgerüstet werden.

Die Antarktis ist und bleibt einer der am wenigsten erforschten Orte der Welt und ruft großes Interesse bei Forschern hervor. Selbst der russische Präsident Wladimir Putin kündigte an, in diesem Jahr eine bzw. mehrere russische Polarstationen in der Antarktis zu besuchen.

Einige Theorien, die angeblich die Geheimnisse der Antarktis lüften, sind aus dem Finger gesogen. Laut einer Legende wurde dort 1943 ein geheimer Stützpunkt der Nazis eingerichtet, wo Hitlers Dokumente und seine DNS zum Klonen gelagert werden. Historiker bestätigen diese Gerüchte nicht, aber Verschwörungstheoretiker sprechen immer wieder davon.

Die wahren Geheimnisse der Antarktis seien mit dem Leben unter Extrembedingungen verbunden, sagt Experte Lukin. Sie ähnelten den Lebensbedingungen außerhalb der Erde. Wissenschaftler vermuten, dass sich auf dem Jupitermond Europa ein Ozean unter dem Eis verbirgt, der dem Wostok-See ähnlich sein könnte. Sollte im Wostok-See Leben entdeckt werden, könnte das bedeuten, dass auch auf Europa ähnliche Entdeckungen möglich sind.

„Ich würde das mit der Weltraumforschung vergleichen“, sagte Lukin in Bezug auf die Antarktis-Forschung. „Die Kenntnisse über das Leben unter Eis erweitern unsere Kenntnisse, genauso wie die Erforschung des Sonnensystems.“
(RIA Novosti)

 

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