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18:03 Uhr, 11. Dezember - Fast 50 Jahre hat der Berliner Forschungsreaktor BER II Dienste für die Wissenschaft geleistet. Nun ist er aus. Das Helmholtz-Zentrum Berlin will zur Energiewende beitragen und sich ganz auf die Forschung mit Lichtteilchen konzentrieren. Der Grundstein dafür ist mit BESSY II längst gelegt.

Nach 46 Jahren Betrieb wurde am Mittwoch der Neutronen-Forschungsreaktor BER II auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie im Berliner Stadtteil Wannsee abgeschaltet.

Von Wehmut und natürlichen Entwicklungen

Die Gefühle der Forschergemeinschaft bezeichnet Ina Helms, Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums Berlin, als gemischt: „Es gibt ein paar Wissenschaftler, die etwas wehmütig sind, die immer gern hergekommen sind, weil sie sehr gut betreut wurden. Andere sagen aber auch: Das ist okay, das ist jetzt ein Lebenszyklus einer so großen Infrastruktur wie eines Reaktors. Forschung ist dynamisch, Forschung ändert sich, die Instrumente ändern sich.“

Sowohl Grundlagenforschung als auch konkrete Anwendungen hat der Forschungsreaktor in seiner Geschichte vorangebracht. Drei Beispiele nennt Helms: Im Bereich der Quantenphysik gelang hier etwa 2009 erstmals der Nachweis magnetischer Monopole, die bis dahin nur theoretisch vorhergesagt waren. Für die Praxis wurden hier Flugturbinen getestet und ihre Festigkeit erhöht und Brennstoffzellen durchleuchtet, um das Wassermanagement zu beobachten und die Technik zu optimieren.

Nutzerorientierte Forschungsumgebung

Mit der Zeit wurde der Forschungsreaktor auch immer attraktiver für die Forschergemeinde gemacht, denn es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Forschern von anderen Einrichtungen Experimente am Reaktor zu ermöglichen:

„Das war in Deutschland damals revolutionär, dass man sagte: 70 Prozent der Messzeit gehen an externe Nutzer, 30 Prozent sind für die Eigenforschung“, so Helms.

Eine weiterer wichtiger Faktor war die „exzellente Probenumgebung“: „Man hat eine Probe, die wird nicht nur von Neutronen bestrahlt, sondern man kann sie gleichzeitig tiefkühlen oder hocherhitzen oder hohe Magnetfelder anlegen“, erläutert die Pressesprecherin. Das habe dafür gesorgt, dass viele sich für BER II entschieden hätten, obwohl es alternative Reaktoren mit höherem Neutronenfluss gab.

Neuer Fokus im Rahmen der Energiewende

„Wir haben hier wirklich große Beiträge zur Neutronenforschung geleistet in Berlin, und jetzt orientiert sich das Helmholtz-Zentrum um, legt einen anderen Fokus auf seine Forschungsschwerpunkte, und das wird auch von vielen akzeptiert und es gibt eine große Bereitschaft von den Wissenschaftlern, die Entwicklungen mitzugehen, sich umzuorientieren“, sagt die Pressesprecherin mit Blick auf die Zukunft. Konkret geht es um einen Beitrag des Helmholtz-Zentrums Berlin für die Energiewende. Untersuchungsgegenstand sollen vor allem „Energiematerialien“ werden mit Blick auf Solarzellen, solare Brennstoffe oder eine energieeffizientere Informationstechnologie.

Von der Neutronenstrahlung schwenkt man um auf Licht, genauer auf Synchrotronstrahlung. Der Schwenk geschieht allerdings nicht unvermittelt, denn im Berliner Stadtteil Adlershof ist die Synchrotronquelle Bessy II seit 1998 erfolgreich in Betrieb. „Wir in Wannsee hatten uns mit dem Forschungsreaktor auf das Neutron konzentriert, um ins Innere von Materialien zu schauen, und parallel hatten wir auch schon das Photon, das Röntgenlicht, auf das wir uns künftig fokussieren. Das Bessy II in Adlershof wird weiterentwickelt und in Zukunft auf ein Bessy III hingearbeitet“, so Helms.

Mit der Abschaltung des Reaktors ist aber BER II nicht aus der Welt, denn er ist ein Auftakt eines langen, streckenweise eher bürokratischen, Prozesses: Nachdem ein Antrag auf Rückbau und Stilllegung im April 2017 gestellt wurde, läuft der Genehmigungsprozess. „Wir erwarten ungefähr 2023 eine Genehmigung, und da werden schon eine Menge Vorarbeiten geleistet. Der Abbau wird sich dann über zehn Jahre hinziehen. Vor 2033 wird hier keine grüne Wiese sein“, so die Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums Berlin.

(Quelle: Sputnik Deutschland / Copyright © Sputnik)

 

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