| Zum Thema Notfunk........ |
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Der Einfachheit halber wird in der "wir"-Form erzählt. Handlungsort ist ein Naherholungsgebiet mit einem großen See auf der einen Seite und einem Landschaftsschutzgebiet (ausgedehnte Sumpfgebiete) auf der anderen Seite dieses Landstriches in Deutschland. In etwa 2 km Entfernung befindet sich ein kleines Städtchen mit großzügigen Gartengrundstücken, die teilweise bis an das Seeufer heranreichen. Auf der Grenze zwischen Naherholungsgebiet und Landschaftsschutzgebiet hat die Landschaft einen Berg, mehr einen Huckel, geformt. Die besagte Gruppe von Funkamateuren, 4 Männer und zwei Frauen, hatte an einem schönen Sommerwochenende dort ihr Field-Day-Lager aufgebaut und so ordentlich Betrieb gemacht. Nicht weit davon entfernt gibt es eine kleine Bungalowsiedlung, in der normalerweise Urlauber untergebracht waren. Zu diesem Zeitpunkt waren dort aber eine Gruppe behinderter Kinder mit ihren Betreuern eingezogen. Der Weg zu den Bungalows führte an der Lagerstätte der Funkamateure vorbei. So hat es auch niemanden weiter verwundert, dass da ein kleiner Junge vorbei lief. Dieses geschah öfter und manchmal blieben die einen oder anderen stehen, um zu schauen, was die Funker dort so treiben.
Da es von diesem Standort nicht weit zum Wasser ist, gingen die OM's bzw. XYL's, die nicht am Gerät saßen, ans Wasser. Wir waren gerade auf dem Weg dort hin, als uns ein PKW entgegen kam. Er hielt auf unserer Höhe und eine Frau, die am Steuer saß, fragte ob wir nicht einen kleinen Jungen gesehen hätten, der soundso aussähe. Wir bestätigten das und konnten auch noch die Richtung angeben, in der er sich bewegt hatte. Die Frau bedankte sich und rauschte in die angegebene Richtung davon. Sie wirkte irgendwie nervös. Wie schon gesagt, es handelte sich um eine Gruppe von behinderten Kindern, die hier mit ihren Betreuern zusammen eine Woche in dieser herrlichen Umgebung verbringen wollten. Die Behinderung dieser Kinder ist hauptsächlich geistiger Art, aber ein relativ niedriger Grad. Die meisten Kinder waren durchaus kommunikativ und umgänglich. Es gab zwei Ausnahmen und die eine Ausnahme, dieser Junge, ist bei einem kleinem Moment Unaufmerksamkeit einfach ausgebüxt. Das Problem war aber, das dieser Junge, er war 8 Jahre alt, nicht sprechen konnte. Genauer gesagt, er ist unfähig zu artikulieren. Ein weitere Ausdruck seiner Krankheit ist seine sogenannte Hypermotorik - er hat den Drang, ständig zu laufen, sich zu bewegen und das leider ziellos bzw. einfach aufs Geratewohl los, egal wohin "die Reise geht".
Jetzt wurde uns die gesamte Problematik bewusst!
Da wir auch zwei Frauen in der Gruppe hatten, übernahmen sie die "psychologische Betreuung" der gestressten Begleiter und ihre Kindergruppe. Sie bekamen ein Handfunkgerät und blieben so mit uns in Verbindung. Wir übrigen teilten uns in zwei Gruppen:
Die Zeit verlief und wir hatten immer noch kein Erfolg. Die 30 Minuten waren schon vorüber und es machte sich ein unheimlich schlechtes Gefühl in der Magengegend breit. Nach 45 Minuten meldete sich die Gruppe "Seeufer" über Funk, sie hätten einen kleinen Jungen gefunden, der gerade in Richtung Seeufer lief. Erregter Funkverkehr:..... Identifizierung....Kleidung? Ja.... ansprechen mit Robert .... positiv...reagierte sofort..wirklich 8 Jahre?.... sieht aus wie 5.... ok,ok.....will unbedingt mitfahren....ja, positiv.....er fährt gerne Auto..... wir bringen ihn....roger,roger!
Da wir selbst auch noch unterwegs waren, haben wir uns die Reaktion der Frauen später erzählen lassen. Jedenfalls, als wir in der Bungalowsiedlung ankamen, war ein großes Polizeiaufgebot da. Die Verwaltung der Bungalowsiedlung, die Angestellten, alle redeten und überall freundliche Gesichter. Die Polizei war natürlich froh, dass alles glimpflich verlaufen sei. Die verantwortliche Begleiterin lag unserem erfolgreichen Suchtrupp tränenüberströmt in den Armen, diesmal aber waren es Freudentränen. Die Polizei bedankte sich, wahrscheinlich für einen eingesparten Großeinsatz, und räumte unverrichteter Dinge wieder das Feld. Was mag bei denen im Einsatzbuch stehen? Funkamateure lösten den Fall.... wohl kaum ! Es war auch völlig egal, wir fühlten uns unheimlich gut. An dem Nachmittag war an Funken nicht mehr zu denken. Irgendwie waren wir alle stolz darauf, im richtigen Moment an der richtigen Stelle gewesen zu sein. Aber jeder hatte auch im Hinterkopf so einen schwachen Schimmer: Was wäre, wenn nicht.............!
Einige Wochen waren inzwischen vergangen, da kam plötzlich Post aus einem Kinderheim für behinderte Kinder in Mecklenburg-Vorpommern: Ein offizieller Dankesbrief aus dem Heim, aus dem der kleine Robert kam.
Und jetzt komme ich auf die Notfunk-/Katastrophenfunk wieder zurck.
Funkamateure haben oft gute kartografische oder topographische Kenntnisse aus den o.g. Gründen.
Wie sieht es in Deutschland aus? Braucht DL überhaupt so ein System?
Ganz anders sieht die Situation aber aus, wenn wir Europa betrachten oder nur die Länder der EU. Hier ergeben sich plötzlich ganz andere Dimensionen: Von Lappland bis zum Mittelmeer, von der Atlantikküste bis zur Grenze nach Rußland oder der Ukraine, verschiedene Klimazonen, unterschiedliche geographische, wirtschaftliche und soziale Bedingungen.
Ich denke, erst in solch einem Rahmen sollte man derartige ernsthafte Bemühungen unterstützen. Man kann die Sache natürlich auch weltweit betrachten. Es wäre doch denkbar, dass bestimmte Frequenzen für Notfunk freigehalten werden oder wenigstens primäre Zuweisung bekommen. Aber das ist ja national kaum zu machen und international ist das überhaupt nicht zu regeln. Es gibt ja schon ähnliche Regelungen, aber die sind auch nur deshalb akzeptiert, weil sie eine Art Tradition haben, eben gewachsen sind, weil wirtschaftliche Interessen dahinter stehen (man denke nur an den Schiffs- und den Flugverkehr) oder eine starke Administration es durchsetzt.
Wie sieht es aber mit der persönlichen Bereitschaft der Amateurfunker aus?
Ein aktuelles Beispiel aus jüngster Vergangenheit: Die Millenium-Crash-Bereitschaft. Warum haben sich denn so wenig gemeldet? Na, weil .......weil........., da sind ja genug andere........kommerzielle......und außerdem.........gibt es um 12.00Uhr Mittag ....um 15.30Uhr gibt es Kaffee... um 19.00Uhr gibt's Abendbrot...ich habe gar keine Zeit.........! Ok, lassen wir das!
Ein letztes Wort dazu: Die Notfunk- bzw. Katastrophen-Informationssysteme in DL kommen auch ohne den Amateurfunkdienst aus. Davon kann man schon ausgehen.
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