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Ostthüringer Zeitung

8. Mai 2009

vom_rauschen_und_piepen

vom_rauschen_und_piepen
Das Hobbyzimmer des Hermsdorfer
Funkamateurs Rolf Hoffmann (hinten).
Im Gegensatz zum Geraer
Funkerkollegen Torsten Schlegel
schaltet er sein Funkgerät kaum aus: "
Manchmal stelle ich es leiser, das ja."
(Foto: OTZ/Werner)

Heute treffen sich die Thüringer Funkamateure auf dem Flugplatz in Gera-Leumnitz
Von Marcel Werner Gera/Hermsdorf. Die Gäste des heutigen Jahrestreffens der Thüringer Funkamateure auf dem Flugplatz in Gera-Leumnitz seien vorab gewarnt: "Wir sind Funkamateure, weil wir zwar professionell, aber ohne kommerzielle Interessen funken", erläutert Rolf Hoffmann aus Hermsdorf. Würde man sie als "Amateurfunker" bezeichnen - ein kleiner, aber feiner Unterschied -, bekäme man unter Umständen die kalte Schulter gezeigt.

Dass das private Funken für die meisten in Ostdeutschland ein relativ neues Hobby ist, liegt auf der Hand. "Denn Funkwellen machen bekanntlich nicht an Staatsgrenzen Halt", schmunzelt Rolf Hoffmann. So war das Morsen und Sprechen über Kurzwelle oder UKW zu DDR-Zeiten beinahe ausnahmslos bei der dazumaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) möglich. Darüber hinaus wurden die Funker selbstredend auf ihre politische "Zuverlässigkeit" geprüft. Hoffmann, heute 59 Jahre alt, erwarb so erst 1991 eine private Funklizenz. Doch seither hat er enorm aufgeholt.

Beim stellvertretenden Vorsitzenden des Thüringer Landesverbandes in Hermsdorf künden schon von weiten mächtige Dach-Antennen von der Passion des Hausherren. Das eigens eingerichtete Hobbyzimmer ist schließlich vollgestopft mit Funkgeräten, stationäre und mobile, mit Sendern, Empfängern, Mikrofonen und Monitoren. Und recht schnell wird deutlich, worum es beim funken neben dem Kontakt zur großen weiten Welt auch geht: ums Basteln. "Für ein Großteil der Funker steckt der größte Reiz in der Technik", erklärt Hoffmann. Mit dieser darf nämlich nach Belieben herumexperimentiert werden. Schließlich erwirbt jeder Funker mit einer Lizenz die Erlaubnis, an Funkgeräten nach Belieben herumzutüfteln und sie den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Keine Behörde und kein TÜV muss hierzu sein Einverständnis abgeben.

In einer Ecke des Zimmers unter dem Dach stapeln sich schmale Pappkisten, alphabetisch sortiert. Darin finden sich schließlich die Beweise, dass Hoffmanns Technik offenbar prima funktioniert: Hunderte individuell gestaltete Karten von Funkern rund um den Globus. War ein Kontakt nämlich erfolgreich, bestätigen sich beide Funker dies in Form von Grußkarten. Mit Angabe des Datums, der Uhrzeit und der Funkfrequenz. "Und unterschrieben wird mit der eigenen Funkkennung", erläutert Hoffmann alias DL2ARH. Und weil bei bis zu eintausend Funkkontakten im Jahr der Versand per Post arg ins Kontor schlagen würde, existiert innerhalb der Funkamateurverbände sogar ein eigener Vertriebsweg.

Für das heutige Landestreffen erwarten die ausrichtenden Ortsverbände Gera und Hermsdorf bis zu 150 Funker. "Über interessierte Gäste würden wir uns natürlich freuen", sagt Torsten Schlegel vom Ortsverband Gera. "Und Funker-Nachwuchs können wir sowieso immer gebrauchen." Ab 10 Uhr ist heute also rund um den Flugplatz in Gera-Leumnitz mit deutlichem Rauschen und Piepen zu rechnen.

So wird man Funkamateur:

- In Deutschland gibt es ca. 80 000 Funkamateure, davon rund 1100 in Thüringen.

- Sie sind zusammengeschlossen im Deutschen Amateur-Radio-Club DARC. Dieser ist der drittgrößte Amateurfunkverband der Welt.

- In Thüringen gibt es insgesamt 48 DARC-Ortsverbände.

- Eine Lizenz zum Funken erwirbt man nach dem erfolgreichen Abschluss einer Prüfung in den Bereichen Technikkunde, Funkbetriebsdienst (Bedienung) und Gesetzeskunde.

- Mit einer Lizenz erwirbt jeder Funker eine individuelle Kennung, wie etwa DL2YXZ. Beim ersten Teil handelt es sich um die Länderkennung (DL für Deutschland), gefolgt von einer einer beliebigen Zahl und einer beliebigen Buchstabenfolge.

mit freundlicher Genehmigung der "Ostthüringer Zeitung"

 

 

 

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