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Nicht allein im Seniorenheim Drucken E-Mail

Münchner Merkur

14. April 2009

nicht_allein_im_seniorenheim


Dachau - Man kann sich auch in einem Seniorenheim heimisch fühlen, wie Ursel und Herbert Sadowsky beweisen.

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Mit der ganzen Welt verbunden: Herbert und Ursel Sadowsky am Funkgerät. Foto: Ingrid Koch

Auch wenn die meisten Senioren, wie die neuesten Untersuchungen zeigen, am liebsten im eigenen Heim ihren Lebensabend verbringen möchten, ist dieser Wunsch aufgrund der Wohnverhältnisse und fehlenden Versorgungsmöglichkeiten nicht immer realisierbar. Ein gut geführtes Seniorenheim kann durchaus Vorteile bieten, vor allem, wenn die Bewohner bereit sind, sich darauf einzulassen.

Ursel und Herbert Sadowsky leben nun seit gut einem Jahr im Caritas-Altenheim Marienstift in der Schillerstraße und fühlen sich wohl. Sie freuen sich, dass ihnen notfalls schnelle Hilfe zuteil wird. Was die Eheleute besonders auszeichnet, sind ihre Zufriedenheit, die Gelassenheit und die Zuversicht, die sie sich auch in den schwierigen Stationen ihres Lebens, etwa während des Zweiten Weltkrieges mit Aussiedlung aus dem Baltikum nach Posen, Kriegseinsatz und Neuanfang in Bayern, immer bewahrt haben.

„Die Unterbringung ist ausgezeichnet“, sagen beide über das Marienstift, und „die Schwestern behandeln uns mit viel Liebe, Geduld und Sachverstand“. Als sehr positiv bewerten sie die ärztliche Versorgung vor Ort. Nur zu Spezialbehandlungen müssen sie sich außer Haus begeben. Als „sehr angenehm“ empfinden die Sadowskys die Bushaltestelle direkt vor der Haustür, um trotz Gehbehinderung unabhängig und mobil zu bleiben. Sie vermissen allerdings Geschäfte für den täglichen Bedarf in unmittelbarer Nähe. Der Weg in die Münchner Straße ist nicht für jeden Bewohner, ob zu Fuß oder per Bus, zu bewältigen.

Selbstverständlich ist der inzwischen 84-jährigen Ursel und dem 88-jährigen Herbert der Umzug aus dem eigenen Heim in Dachau nicht leicht gefallen, der krankheitsbedingt ziemlich schnell erfolgen musste. Und es stellten sich Fragen: „Welche lieb gewordenen Dinge können wir mitnehmen? Was müssen wir zurücklassen, weil im neuen Zuhause der Platz fehlt?“

Mit Hilfe von Tochter Brigitte hat das Ehepaar die bestmögliche Lösung gefunden, einige Möbelstücke mitgebracht und neue Sachen angeschafft, um die beiden separaten Zimmer wohnlich einzurichten. An die frühere Heimat Lettland, woher beide stammen, erinnern zahlreiche Bilder an den Wänden.

Für Herbert war es am wichtigsten, den vertrauten Schreibtisch samt technischem Gerät und einen Werkzeugkoffer zu „retten“. Seinen Computer installierte ihm Enkel Florian, und sein geliebtes Funkgerät brachte ein Funkfreund, unter den nun bestehenden eingeschränkten Bedingungen zum Laufen. Seit Jahrzehnten gehörten die weltweiten Kontakte über den Äther zu seinem Leben. Für seine Verdienste um den Amateurfunk, und speziell für die Kontaktpflege an der Funkstation im Deutschen Museum in München wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des DARC (Deutscher Amateur Radio Club)mausgezeichnet.

Der Funkkontakt darf durchaus auch in russisch sein, denn das lernte er in seiner lettischen Heimat nahe Riga. Per e-mail hält der begeisterte Funker zusätzlich Kontakt, besonders zu seinen amerikanischen Freunden. Die Texte verfasst er in englischer Sprache. Englisch hat er während der Kriegsgefangenschaft und dem anschließenden freiwilligen Aufenthalt auf der Insel gelernt.

mit freundlicher Genehmigung des "Münchener Merkur"

 

 

 

 

 
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