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Die Dauerweltmeister von Ilmenau Drucken E-Mail

Freies Wort

14. Juli 2008

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Am Wochenende kämpfte die deutsche Amateurfunk-Nationalmannschaft erneut um den Titel
Von Klaus-Peter Kaschke

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Wolfgang Ziegler (links) und Peter Kohde gehören
seit vielen Jahren der deutschen
Amateurfunk-Nationalmannschaft an und kämpften
am Wochenende um Weltmeisterehren.
Bild: Klaus-Peter Kaschke

Horschlitt – Von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, fristen die Mitglieder der Nationalmannschaft des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) ein Schattendasein. Zu Unrecht: Neunmal innerhalb der letzten elf Jahre konnte das deutsche Team mit Hauptquartier in Ilmenau die jeweils am zweiten Juli-Wochenende abgehaltene Weltmeisterschaft der International Amateur Radio Union (IARU) für sich entscheiden. Auch für den 24-stündigen Wettkampf am vergangenen Wochenende galten die deutschen Amateurfunker wieder als Top-Favoriten. Weiteren Stationen hat der DARC in Horschlitt (Wartburgkreis), auf der Mühlburg (Landkreis Gotha) sowie auf dem Wetzstein (Saalfeld-Rudolstadt).

Vier Stationen in Thüringen

Auf insgesamt sechs Frequenzbereichen zwischen 15 und 160 Metern wird sowohl in den Betriebsarten Telegraphie – also Tastfunk – sowie Telefonie (Sprechfunk) gesendet und empfangen. Insgesamt werden für das jährliche Gipfeltreffen der Amateurfunker also zwölf Teams pro Teilnehmerstaat benötigt. Aufbauend auf der vormilitärischen Ausbildung in den Funkstationen der Gesellschaft für Sport und Technik in der früheren DDR, gilt der Freistaat bis heute als eine der Hochburgen des Amateurfunks. Das belegt nicht zuletzt ein Blick auf die Zusammensetzung der Nationalmannschaft, die sich international unter dem Rufzeichen DA0HQ meldet. Vier der neun Stationen, die dem DARC-Team angehören, sind in Thüringen zu Hause und decken sieben der zwölf Frequenzbereiche und Betriebsarten ab. Sie werden nach Kräften unterstützt von Amateurfunkern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Nordrhein-Westfalen, die jeweils einen Morse-Frequenzbereich übernehmen.

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Die Funker beim Wettkampf.
Bild: Klaus-Peter Kaschke

Beim Wettbewerb der etwa 30 gemeldeten Nationalmannschaften aus aller Welt sowie mehreren tausend Einzelstartern geht es darum, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, die sich aus der Anzahl der bestätigten Kontakte zu anderen Funkern sowie einem Faktor für die Distanz der Funkverbindung ergibt, erklärt Wolfgang Ziegler, Teamführer der fünf Amateurfunker aus Horschlitt bei Gerstungen.

Als „bunte Vögel“ gelten unter gestandenen Funkamateuren Verbindungen in extrem abgelegene Regionen wie beispielsweise auf eine driftende Eisscholle, zu Antarktis-Stationen oder ins Weltall, wo sich gelegentlich russische Kosmonauten ihre knapp bemessene Freizeit mit dem Funken vertreiben. Gearbeitet wird mit moderner Sende- und Empfangstechnik und nicht, wie im Hollywood-Klassiker „Titanic“, mit der guten alten Morsetaste. Heute hantieren die Funkamateure, mit Laptop, Tastatur und Spezialsoftware – wobei im Einzelfall immer noch gern auf selbstgebastelte Technik aus GST-Zeiten zurückgegriffen wird. Ihre gemütlichen Stationen erinnern manchmal an Funkbuden in U-Booten und sind von 30 Meter hohen und bis zu 100 Meter langen Spezialantennen umrahmt.

Pro Frequenzbereich und Betriebsart schieben normalerweise zwei Funker gemeinsam sechsstündigen Dienst am Funkgerät sowie am Empfänger. Der Rest hat frei, darf schlafen oder grillen. Innerhalb eines Wettbewerbs steuert jede der zwölf Stationen zwischen 1000 und 5000 Kontakten zum Gesamtergebnis bei. Gut 20 000 konnte das Hauptquartier bei früheren IARU-Kurzwellen-Weltmeisterschaften registrieren – Tendenz steigend. „Und das hat eigentlich fast immer für den Sieg gereicht“, zeigt sich Ziegler auch für den laufenden Contest optimistisch. Nur dreimal mussten sich die DA0HQ-Männer seit 1996 geschlagen geben – und wurden immerhin noch Zweite.

Auswertung dauert halbes Jahr

Ob es zum nunmehr zehnten Titel reichen wird, erfahren die Teams erst ein halbes Jahr nach Auswertung der zahllosen Ergebnislisten. Dazu müssen die Verzeichnisse mit den Kontakten aller Teilnehmer nach Hartford, Connecticut (USA), eingeschickt werden, wo Experten jede einzelne Verbindung überprüfen. Erst dann dürfen in Ilmenau, Horschlitt und wo die Nationalmannschaftsmitglieder auch immer zu Hause sind, die Sektkorken knallen – oder eben nicht.


mit freundlicher Genehmigung des "Freien Wort"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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