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Frauen und Männer "mit kleiner Leistung" Drucken E-Mail

Gießener Anzeiger

5. März 2008

Frauen und Maenner mit kleiner Leistung

Gießener Amateurfunker richten mit Wetzlarer Kollegen Treffen aus

GIESSEN-KLEINLINDEN (kg). Die Sturmböen rüttelten gewaltig an dem großen Antennenmast vor dem Bürgerhaus und die Übertragung des Amateurfunkfernsehens, das die Vorträge aus dem Keller per Antenne über die Strecke zum Empfänger auf dem Wetzlarer Krankenhaus schickte, war zeitweise gestört. Erst am Samstagnachmittag, nachdem das Orkantief "Emma" schwächer wurde, bauten die Amateurfunker des Ortsverbands Wetzlar F19 ihre Antennen und Parabolspiegel auf, zurrten die Masten und Teile gewaltig fest.
Im Saalinnern spürte Gerd Knechtel, Mitglied des Ortsverbands 07 Gießen von den hohen Windgeschwindigkeiten nichts. Auf seinem Bildschirm waren aber dichte Wolkenfelder zu erkennen, die er über eine Fernsehsatellitenschüssel aufgenommen hatte und den staunenden Gästen zeigte. Aneinandergereiht lief ein Wolkenfilm im Zeitraffer ab. Zum ersten Mal gab es ein Gießener Amateurfunktreffen, ausgerichtet von den Ortsverbänden F07 Gießen und F19 Wetzlar im Deutschen Amateurradioclub (DARC). "Wir trafen uns an zwei Tagen, um Erfahrungen auszutauschen und uns persönlich kennenzulernen", meinte der Verantwortliche Hans-Peter Rust, den Amateurfunker besser unter der Bezeichnung DL6FAP kennen. Aber auch die Nachwuchswerbung liegt den Bastlern und Tüftlern rund um das Funkgerät am Herzen. Mit einem Treffen der Frauen und Männer, die "mit kleiner Leistung funken" begann die Veranstaltung, in Insiderkreisen heißt dies "DL-QRP-AG".
61 Jahre alt sind beide Clubs, die sich dem Motto "Amateurfunk verbindet, unser Nachbar ist die Welt" verschrieben haben. Wer beim Schlendern durch den Saal und über das Außengelände Lust bekommen hat, zu anderen Menschen über den Äther zu sprechen, kann im Spätherbst einen Amateurfunkkurs besuchen. Tüftler und Bastler hörten aufmerksam beim Vortag von Peter Zenker zu, der über Neues aus der QRP und der Selbstbauwelt referierte. Von der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) in Darmstadt reiste Karsten Weber an und erklärte den Interessierten die Ausrüstung und Funktion einer ESA-Bodenstation und erläuterte den Ablauf vom Start einer Ariane Rakete. Von seiner Lybien-Expedition zeigte Wolfgang Borschel eine Power-Präsentation. 40 Amateure und weitere Händler waren beim Flohmarkt am Sonntag vertreten. "Kennst du noch das SEM 25?", fragte Gerd Knechtel einen Bekannten im Blick auf das olivgrüne Funkgerät, das beide in der gemeinsamen Bundeswehrzeit bedienten. Sogar eine olivgrüne Jacke trug ein Anbieter, auf dessen Tisch viele Raritäten aus Militärbeständen ausgestellt waren. "Und das Schöne, sie funktionieren alle noch."
An einer Funkstation verfolgten Kenner den weltweiten Morsebetrieb. "Da sendet ein Pole", erklärte ein Experte die grafischen Sendesignale und Zeichen. Viel Spaß gab es am Stand, wo das Klopfer-Junkers-Diplom absolviert werden konnte. Nicht mit der Hand, wie sonst beim morsen üblich, sondern mit dem Fuß mussten die Teilnehmer ihre Kennung morsen. Funkamateur setzen ihr Hobby auch ein, wenn es um die Rettung von Menschen geht, sie leisten humanitäre Hilfeleistungen bei Erdbeben und Schneekatastrophen. Mit ihren jederzeit betriebsbereiten Geräten erstellten sie Funkverbindungen und ersetzten teilweise das zerstörte öffentliche Fernsprechnetz.

mit freundlicher Genehmigung des "Gießener Anzeiger"

 

 
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