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Vlothoer Anzeiger
13. Juli 2007
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Den Amateurfunkerverein Vlotho November 52 gibt es seit 25 Jahren / Neueinsteiger müssen Lehrgang besuchen
Vlotho (soni). In Vlotho wird seit 25 Jahren kräftig gefunkt. Denn so lange gibt es bereits den Amateurfunkerverein Vlotho November 52. Einmal im Monat treffen sich die mittlerweile nur noch 18 Mitglieder auf der Ebenöde, wo der Verein ein kleines Häuschen besitzt. Von hier aus nehmen die Hobby-Funker Kontakt mit Gleichgesinnten in der ganzen Welt auf. von Sonja Rudolf
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Kurt Bretthauer sitzt an der Funkanlage im Vereinsheim auf der Ebenöde. Von hier aus kommunizieren er und seine Vereinskollegen mit Funkern in der ganzen Welt. (VA-Foto: Sonja Rudolf) |
Einer der ganz aktiven Funker ist der Vorsitzende des Vlothoer Vereins Kurt Bretthauer. Obwohl er erst vor zehn Jahren seine Leidenschaft für dieses außergewöhnliche Hobby entdeckte, kennt er sich bestens mit allen Tricks und technischen Details aus. In seiner Westentasche trägt er stets ein kleines Funkgerät mit sich herum, das gewisse Ähnlichkeiten mit einem Handy aufweist. "Mit diesem Gerät kann ich aber bis Australien telefonieren", sagt er und fügt lachend hinzu: "Wir sagen unter uns immer telefonieren. Natürlich funken wir."
Allerdings sind für eine Verbindung nach Australien noch weitere Geräte notwendig, zum Beispiel ein Relay (Frequenzumsetzer) und ein Echo-Link. "Mit CTTS-Tönen können wir uns in das Relay einklinken. Nach der Bestätigung kann es dann losgehen", sagt Kurt Bretthauer.
Bei den ganzen Fachbegriffen und Insider-Ausdrücken wird dem Laien schnell schwindlig. Nicht umsonst müssen Amateurfunk-Anfänger erst einmal einen einjährigen Lehrgang machen, bevor sie sich selber ans Gerät setzen dürfen. "Während dieses Lehrgangs lernen die Teilnehmer alles über den Ablauf des Funkverkehrs. Auch Technikkunde und Betriebstechnik stehen auf dem Stundenplan. Und ganz wichtig: Gesetzeskunde, denn wer beim Funken gegen die Gesetze verstößt, muss damit rechnen, seine Lizenz zu verlieren. Mal ganz abgesehen von einer möglichen Strafe", betont der Vorsitzende der Vlothoer Amateurfunker.
Nach einem Jahr können die Neueinsteiger ihre Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen. "Wer besteht, bekommt seine Lizenz und später dann auch sein Rufzeichen", erzählt Kurt Bretthauer. Am Anfang reiche für den Funkverkehr so ein kleines Gerät, wie er es mit sich herumträgt. "Das ist für etwa 200 Euro zu haben. Wer mehr will, kann für den Anfang unsere Anlage auf der Ebenöde benutzen. Das ist für Einsteiger sowieso eine tolle Sache, denn hier oben haben wir einen super Empfang", so Bretthauer.
Das Gespräch per Funk heißt "QSO"
Wer erst einmal mit Begeisterung dabei ist, findet sich schnell in der eigenen Welt des Amateurfunks zurecht. Ein Gespräch unter Funkern wird schlicht und einfach "QSO" genannt. Wer lieber Morsezeichen senden will, macht das per CW-Funk. Und dann gibt es noch die so genannten "SWLer" - das sind Menschen, die sich nur den Funkverkehr anhören, aber nicht selber sprechen. Hat man gerade jemanden am Apparat, gibt man einen kurzen Rapport: "Wir teilen mit, wie gut die Verbindung ist", erklärt der Vorsitzende, der in Aerzen wohnt.
Jeder Funkverkehr wird hinterher in einem Logbuch vermerkt. "Wir schreiben genau auf, wann wir mit wem auf welcher Frequenz gesprochen haben. Dann gibt es noch die QSL-Karte, das ist die offizielle Funkverkehrsbestätigung", sagt Kurt Bretthauer.
Er selber hat schon ein paar kuriose Erlebnisse gehabt. "Meine weiteste Verbindung war die mit einem Funker auf Vanuatu, einer Insel im Pazifik. Erst wollte ich es gar nicht glauben, weil die Verbindung so gut war, dass man hätte glauben können, der Mann am anderen Ende sitze direkt neben mir", erzählt der Hobby-Funker. Bei einer anderen Funk-Verbindung habe er erst nach sieben Jahren eine Antwort erhalten.
Und worüber reden die Funker weltweit? "Über Technik, Geräte, die Antennenart und äußere Gegebenheiten. Aber auch über private Dinge", erzählt Kurt Bretthauer. Wenn sich sein Gegenüber melden würde, schaue er zuerst auf die so genannte QTH-Locator-Karte, die in dem kleinen Vereinsheim an der Wand hängt. "Darauf ist die Welt in ein ganz bestimmtes Raster eingeteilt. Aufgrund der Kennung und des Rufnamens kann ich mit Hilfe der Karte nachvollziehen, in welchem Land mein Gesprächspartner lebt", erklärt der Vorsitzende.
Was er so am Amateurfunk schätzt, ist die ganz besondere Art der Völkerverständigung. "Und überlegen Sie mal: Bei Naturkatastrophen, wie zum Beispiel dem Tsunami 2004 in Südostasien, war der Amateurfunk die einzige Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen", betont Kurt Bretthauer.
Vor allem Männer haben Spaß am Funken. Aber mittlerweile gibt es auch viele Frauen, die sich gerne per Kurzwelle mit ihren Geschlechtsgenossinnen austauschen. So gibt es die Gruppe der "YLs", was für "Young Ladies" steht. "Dieser englische Begriff bezieht sich auf unverheiratete Frauen. Dann gibt es auch noch die ,XYLs', das sind die verheirateten Frauen", sagt Kurt Bretthauer. Sogar ein spezielles "YL-Diplom" sei eingeführt worden. "Wer das haben möchte, muss mit 1000 Frauen per Funk Kontakt aufgenommen haben. Und es darf keine zwei Mal vertreten sein", betont der Vorsitzende.
Er und die anderen Mitglieder des Ortsvereins Vlotho November 52 würden sich über neue Mitglieder, auch weibliche, sehr freuen. "Mit dem Nachwuchs sieht es wirklich sehr mager aus zur Zeit. Die Jugendlichen für das Funken zu begeistern ist schwierig. Entweder denken sie, es sei langweilig oder zu teuer. Beides stimmt aber nicht", sagt Kurt Bretthauer. Amateurfunker würden viel mit Computern arbeiten und auch selber Funkgeräte zusammenbauen.
"Und die Ausrüstung ist am Anfang nicht teuer. Wer möchte, kann jederzeit hier auf die Ebenöde kommen, um zu funken. Wir vermitteln auch den Lehrgang, falls sich jemand ernsthaft für den Amateurfunk interessiert", betont der Rentner aus Aerzen.
Neben den monatlichen Treffen gebe es auch einmal pro Jahr einen so genannten "Field Day". Dann bauen die Amateurfunker ihre Zelte und Antennen auf und funken im Freien. "Das Tolle daran ist, dass dann auch andere Ortsvereine da sind, mit denen man sich austauschen kann", so Bretthauer. Wer Interesse hat, bei den Vlothoer Amateurfunkern mitzumachen, kann sich entweder bei Kurt Bretthauer melden unter der Telefonnummer (0 52 62) 99 22 02 oder bei Dieter Söhlke unter (0 57 33)
mit freundlicher Genehmigung des Vlothoer Anzeiger
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