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OSTTHÜRINGER Zeitung
8. Juni 2007
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Edgar Berchlin aus Neustadt gehört zur inzwischen seltenen Art der Amateurfunker (Foto: OTZ/Peter Cissek) |
von OTZ-Redakteur Peter Cissek
Neustadt. Edgar Berchlin aus Neustadt hat im Vorgarten einen Antennenmast stehen, den kann er bei Bedarf umlegen wie eine Bahnschranke. Doch das Gewitter war wider Erwarten nicht im Anmarsch, die Antenne bleibt stehen und der 68-Jährige kann weiter funken. Edgar Berchlin ist Amateuerfunker, nach eigenen Angaben der einzige auch wochentags aktive in der Orlastadt.
Um wieder mehr und vor allem junge Leute für dieses Hobby zu gewinnen, veranstaltet der Funkamateurverein X46 aus dem Saale-Holzland-Kreis am Samstag ganztägig ab acht Uhr ein Funkertreffen am Neustädter Bismarckturm. Der Funk habe ihn schon immer interessiert, sagte Berchlin. Bei der Nationalen Volksarmee der DDR war er als Funker in der Führungsbatterie des Nachrichtenbataillons 9 in Eggesin und später bei der Flugsicherung in Brandenburg tätig. Doch anschließend gab es bei ihm viele Jahre Funkstille, bis ihn nach der Wende ein Bekannter überredete, die Amateuerfunkprüfung zu machen. Und so studierte er erstmal die Grundlagenkenntnisse wie elektrische Signale, aktive und passive Bauelemente, Sender und Empfänger, Wellenausbreitung und ähnliches. Im Oktober 2003 erhielt er den Schein, der es ihm genehmigt, auf bestimmten Frequenzen Verbindung mit der Welt aufzunehmen.
Dank der Langdrahtantenne im Dachboden des Hauses hat er bereits mit Gleichgesinnten in Brasilien und Argentinien reden können. Da Berchlin nur paar Wörter englisch, aber ganz gut russisch spricht, bleibt es bei internationalen Kontakten oftmals nur beim Small-Talk. Doch die Freude ist groß, wenn man seine Rufzeichen und mitunter auch so genannte QSL-Karten austauscht. "Hier ist DO2ES", sagt der Neustädter. Später sucht er mit dem Rufzeichen und einer Computersoftware nach den genauen Kenndaten und dank der Planquadrate auf der Locator-Karte nach dem Aufenthaltsort des Gesprächspartners. Gern redet er auch mit Leuten in der näheren Umgebung, aber auch mit Auswanderern auf den Kanarischen Inseln.
"Amateurfunker sprechen kaum über Politik, sondern praktizieren Völkerverständigung." Funker haben auch Hilfsmaßnahmen ins Rollen gebracht. Beim Krieg in den 90ern im einstigen Jugoslawien oder beim Bergrutsch in Gebirgsregionen können Amateurfunker genaue Lageberichte abgeben, während Handys und Festnetztelefone in Katastrophengebieten oftmals ohne Verbindung bleiben. Amateurfunker praktizieren Völkerverständigung.
(mit freundlicher Genehmigung der OSTTHÜRINGER Zeitung)
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