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Ein Schwatz um die Welt Drucken E-Mail

Mitteldeutsche Zeitung

23. März 2007

Ein Schwatz um die Welt


Diplom in Gold an Amateurfunker

von Jörg Müller

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Manfred Hermsdorf, Horst Lingner und Dietmar
Warkus (von links) in ihrer Klubstation in der
Kühnauer Straße 161. Hier treffen sie sich jeden
Donnerstag ab 17 Uhr. Im Internet sind sie zu
finden unter
www.darc.de. (Foto: MZ)

Dessau/MZ. Als Horst Lingner neulich mal nicht schlafen konnte, setzte er sich an sein Funkgerät. Nicht lange, und er fand eine Funkerin in Rumänien, die ebenfalls um halb drei morgens wach war und seine spezielle Leidenschaft teilt. "Ich bin nämlich Morsetelegraphie-Fan", wie er sagt. Etwa eine halbe Stunde "unterhielten" sich die beiden per Morsetaste. "Danach bin ich schlafen gegangen", erzählt Lingner.

An Erlebnissen wie diesen kann der langjährige Amateurfunker am besten deutlich machen, was ihn an seinem Hobby so fasziniert: "Der Reiz besteht darin, dass man einen anderen Funker trifft, der vielleicht in fünftausend Kilometer Entfernung an seinem Gerät sitzt." Ein Reiz, der auch in Zeiten moderner Kommunikationsmittel wie Handy oder Internet lebendig bleibt. "Weltweit gibt es zurzeit zwei Millionen lizenzierte Funker", sagt Manfred Hermsdorf, "irgendwer ist da immer auf Sendung."

Hermsdorf und Lingner sind Mitglieder des Ortsverbandes W 22 des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC), einem der beiden Dessauer Ortsverbände. Ihre Klubstation, wie es bei den Funkern heißt, wurde 1955 als Arbeitsgemeinschaft im Zementanlagenbau gegründet. Auf diese Tradition verweist heute noch das Rufzeichen der Station: "DK0ZAB". Bis 1990 war das Klubhaus "Maxim Gorki" in der Oechelhaeuserstraße ihr Domizil; seit 1998 können die Funker ein früheres Armee-Objekt hinter dem Landesverwaltungsamt in der Kühnauer Straße nutzen. "So ein eigenes Vereinsheim ist schon etwas besonderes", sagt Manfred Hermsdorf, der seit 1962 Amateurfunker und seit 1978 Leiter der Klubstation ist. Andere Ortsverbände müssten sich zum Beispiel in Gaststätten treffen. "Da haben wir es hier natürlich schön." Etwas besonderes ist auch der Satellitenspiegel (Durchmesser zehn Meter), den die Funker ebenfalls aus dem Armee-Bestand haben. Der computergesteuerte Spiegel ermöglicht Funkverbindungen von der Erde über den Mond und zurück. Also ein völlig harmloser Spiegel.

49 Mitglieder im Alter von 19 bis 85 Jahren zählt der Ortsverband W 22 derzeit. Früher, sagt Dietmar Warkus, Funker seit 1982, sei es einfacher gewesen, Nachwuchs zu finden. Schließlich bildete zu DDR-Zeiten die Gesellschaft für Sport und Technik Jugendliche unter anderem zu Funkern aus. Damals wie heute biete der Amateurfunk allen Technik-Interessenten ein "reiches Betätigungsfeld", so Hermsdorf. Zwar werde nicht mehr so viel gebastelt wie früher, als die Geräte oft in Eigenbau entstanden, aber auch heute noch werde "viel experimentiert", zum Beispiel mit Antennen.

Beim eigentlichen Funken herrscht der Sprechfunk vor. "Entweder man ruft allgemein oder gezielt. Oder man klinkt sich in ein laufendes Gespräch ein", erläutert Hermsdorf. "Es gibt auch Runden, die sich zu bestimmten Zeiten zusammen finden." Und was wird da so besprochen? "Alles mögliche", sagt Lingner, "vom Wetter bis zu persönlichen Dingen." Dabei entwickeln sich auch Freundschaften. Begehrt sind immer Kontakte zu besonderen Stationen, etwa auf exotischen Inseln, oder zu prominenten Funkamateuren. Für jede zustande gekommene Funkverbindung schicken sich die Partner dann persönlich gestaltete Verbindungskarten zu. Nicht über die Post, das würde bei tausenden Karten pro Jahr viel zu teuer werden, sondern über ihre Organisationen.

Eine besondere Aktion gab es zur Fußball-Weltmeisterschaft. Der DARC rief die deutschen Amateurfunker anlässlich des Ereignisses auf, weltweit Funkverbindungen herzustellen; in zwölf Stadien wurden Sonderstationen eingerichtet. Zwölf Mitglieder der ZAB-Klubstation beteiligten sich und stellten während der WM mehr als 7 800 Verbindungen her. Eine Leistung, die mit einem Diplom in Gold ausgezeichnet wurde.

mit freundlicher Genehmigung der "Mitteldeutsche Zeitung"

 

 

 

 

 
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