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Freies Wort

16. März 2007

Funken macht auch in der heutigen Zeit noch viel Spass


45 JAHRE AMATEURFUNK IN NEUHAUS AM RENNWEG
„Funken“ macht auch in der heutigen Zeit noch viel Spaß

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Trotz bescheidener Technik in den Anfangsjahren waren die
Neuhäuser Funkamateure – hier Gerhard Wilhelm, der Autor
dieses Beitrages – bei der Herstellung von
Funkverbindungen äußerst erfolgreich.
- FOTO: ARCHIV

 

Neuhaus am Rennweg blickt nunmehr auf 400 Jahre Ortsgeschichte zurück. Seit 45 Jahren, weitestgehend unbemerkt, haben Funkamateure die Existenz dieser Stadt weltweit vertreten. Gerhard Wilhelm, fast von Anfang an dabei, hat seine Erinnerungen aufgeschrieben.


NEUHAUS – Erst 1952 haben die Sowjets erlaubt, einen Funkbetrieb innerhalb der Gesellschaft für Sport und Technik zu entwickeln. Die Gründung der ersten Klubstation geht auf das Jahr 1962 zurück; sie erhielt das Rufzeichen DM3DK. Lizenzinhaber war Hans Greiner aus Ernstthal, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Hoons“. Als erste Mitbenutzer funkten, nach bestandener Prüfung am 30. Oktober 1963, Kurt Müller (DM3ZDK) und Gerhard Wilhelm (DM3YDK).

Im Januar 1966 wird die Klubstation DM4FK des Röhrenwerkes „Anna Seghers“ Neuhaus /Rwg gegründet. Lizenzinhaber ist Gerhard Wilhelm mit eigenem Rufzeichen DM2BVK.

Nach heutigen Maßstäben waren die technischen Möglichkeiten eher bescheiden, dennoch erwies sich das Röhrenwerk als Träger dieser Maßnahme von großem Vorteil. Aus der Röhrenproduktion und den technischen Abteilungen ergaben sich Möglichkeiten für die Eigenherstellung der Funkgeräte. Darüber hinaus florierte ein reger Tauschhandel mit den Betrieben, die andere Bauelemente wie Widerstände, Kondensatoren, Potentiometer, Quarze usw. herstellten.

Außerdem gab es zu dieser Zeit noch Geräte von der Wehrmacht und aus sowjetischen Armeebeständen. Was nicht funktionierte wurde in Stand gesetzt. Ersatzröhren gab es z. B. bei unseren „Freunden“ in Steinheid, die bereitwillig halfen.

Die Teilnahme an den UKW-Wettbewerben war infolge der quarzgesteuerten Sender recht mühselig; 68 QSOs (Verbindungen) in 24 Stunden schon eine Spitzenleistung – das läuft heute in etwa 50 Minuten. Auch die ersten QSL-Karten von unseren Funkpartnern waren ein Erlebnis, insbesondere die aus den grenzüberschreitenden Verbindungen. Motivierend wirkten zu dieser Zeit die Aktivitäten aus OK (Tschechoslowakei), im Wettbewerb wurde kein „polni den“ (Feldtag) ausgelassen.

Die politische Entwicklung in Deutschland ging aber am Amateurfunk nicht spurlos vorbei. So gab es Verbote für 4X4 (Israel) und CE (Chile); der Nachrichteninhalt oblag ständiger Kontrolle durch „RADIOCON“. Manchem OM (Funkamateur) musste bei Erhalt eines „blauen Briefes“ (Verwarnung) moralisch beigestanden werden. Dennoch waren die Funkamateure der DDR international präsent und geachtet ob der Leistungen unter diesen Bedingungen.

Der Amateurfunk erwies sich für viele Jugendliche als Hilfe für den Einstieg in einen elektrotechnischen Beruf und vor allem eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

Mit der Wende gab es einen regelrechten Entwicklungsschub. Die Zahl der Mitglieder in Thüringen verdoppelte sich auf 1200 Amateure. Der Radio-Sport-Verband der DDR trat dem DARC e.V. bei; es gründete sich der Distrikt X Thüringen und u.a. der Ortsverband X35 Neuhaus/Rwg unter Leitung von Peter Rossbach (DK4MX). Danach hat die Leitung Udo Eichel (DL4AUE), übernommen; aus DM4FK ist DK0NEU geworden, Lizenzinhaber ist DL2AVK, der auch SysOp (Administrator) der Relaisfunkstelle DB0THF ist.

Klaus Nathan (DL2AZK) ist in der landesweiten Arbeitgruppe der Funker mit kleiner Leistung (QRP) aktiv, Andreas Lattermann (DH8WKA) arbeitet als stellvertretender Vorsitzender und Referent für Notfunk in Thüringen und Norbert Leipold (DL3ANK) hat die Thüringer UKW-Wettbewerbe ausgewertet; schließlich kümmert sich Hubert Greiner-Mai (DK6LD) im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit um die Homepage. Die Kasse hütet und verwaltet Wolfgang Schirm (DL2AMR).

Aus den KW- und UKW-Contesten ist der OV X35 Neuhaus/Rwg mehrfach mit einem vorderen Platz im Land Thüringen hervor gegangen. Die heutige Technik lässt ganz andere Möglichkeiten zu als vor vielen Jahren. Digitale Sendearten sind fester Bestandteil und auch Amateurfernsehen ist eingeführt. „Funken“ macht noch immer Spaß, einesteils im Erreichen ferner Länder, aber auch in der „Begegnung“ per Funk mit Gleichgesinnten. Nicht zuletzt ist das Basteln aus alt und neu eine ständige Herausforderung.

QSL-Karte

Mit dem Versand einer QSL-Karte bestätigen Funkamateure eine erfolgreiche Funkverbindung. Die Buchstabenkombination „QSL“ ist ein Q-Code aus der Morsetelegrafie und bedeutet: „Ich sende Ihnen eine Empfangsbestätigung.“

QSL-Karten dienen zum Nachweis von Amateurfunkverbindungen und werden bei der Beantragung von Amateurfunkdiplomen benötigt. Die interessante und vielfältige Aufmachung der Karten macht sie zu beliebten Sammlerobjekten.

mit freundlicher Genehmigung von "Freies Wort"

 

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