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Lübecker Nachrichten
24. Dezember 2006
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Früher schufen Funker wichtige Verbindungen, heute werden sie vom Internet verdrängt. In Büchen gibt es noch begeisterte Funkamateure.
Büchen - Für sie ist die Welt gleich um die Ecke. Und Marco Mügge ist einer von ihnen: "Du kannst dich mit der ganzen Welt unterhalten, ganz ohne Provider", schwärmt der Funkamateur aus Büchen. "Du sitzt an deinem Funkgerät und rufst: CQ CQ CQ DX", ein allgemeiner Anruf auf Kurzwelle, "hier Delta Delta Eins Lima Charly", ein Rauschen erklingt, es piept, es rauscht wieder und dann Antwort. "Die zufälligen Kontakte sind die interessantesten Verbindungen, so kann es passieren, dass am Ende der Antenne jemand aus Neuseeland sitzt", erzählt Marco Mügge begeistert weiter. Das Besondere: die Jagd nach möglichst weit entfernten Funkzielen.
Marco Mügge ist Vorsitzender des Büchener Ortsverbandes (OV E 30) vom Deutschen Amateur Radio Club. Jeden ersten und dritten Mittwoch jeweils um 20 Uhr treffen sich Funkamateure aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg im Jugendzentrum in Büchen. Sie funken in ihrer so genannten Clubstation und basteln an Sende- und Empfangsanlagen. Das Durchschnittsalter der Funkamateure liegt bei 50 plus, auch bei den Büchener Funkern. Marco Mügge (35) und Rene Pulsford ( 26) bilden entgegen dem Trend eine Ausnahme. Gerade in Zeiten von Internet, Mobiltelefon, Computer und Faxgeräten kommt oft die Frage auf, wozu der Amateurfunk noch gut sei. Aber es ist nicht nur der Kommunikationsfaktor, der das Hobby so spannend macht, "mich fasziniert die Gemeinschaft und die Leistungsfähigkeit des Amateurfunks, ohne dass ein kommerzieller Faktor dahinter steht", sagt Pulsford von seinem Hobby. "Die vielseitigen Möglichkeiten im Amateurfunk und die Beschäftigung mit der Technik machen das Hobby doch erst so besonders", ergänzt Mügge.
Und in der Tat, Amateurfunk bietet weit mehr, als nur über ein Funkgerät eine drahtlose Verbindung herzustellen und zu kommunizieren. Die einen lieben den Kontakt mit Menschen auf der ganzen Welt. Die anderen sind Techniker, bauen Antennen und Funkanlagen selbst, die sie testen und immer weiter entwickeln. Die gängigsten Kommunikationswege seien Sprechfunk und Morsen. Beim Morsen kommunizieren Funkamateure durch rhythmische Ein- und Ausschaltbewegungen eines Senders und übersetzen Signale in Wörter. Freunde des so genannten Packet-Radio betreiben Datenfunk per Computer. Hierbei komme es weniger auf Sprechfunk, vielmehr auf Text- und Datenübertragung an. Auch Fernsehen ist für Funkamateure mittlerweile kein Problem mehr. So können sie sich nicht nur hören, sondern auch sehen, weil Bilder und Filme drahtlos gesendet werden und das mittlerweile bis zu einer Distanz von 250 Kilometern. Funkamateure nutzen sogar Mond und Meteoritenschwärme als Reflektoren für ihre Funkwellen.
"Die Faszination an der Funktechnik und die stetige Weiterentwicklung daran verbindet die Funkamateure heute miteinander", sagt Mügge. Und trotzdem fehle es an Nachwuchs. Die Begeisterung an junge Menschen weiter zu geben, sei schwer, gerade im Zeitalter der modernen Kommunikation. "Mit Handys, Skype und Webcams gestaltet sich Kommunikation wesentlich einfacher, und die Technik ist auch nicht so kompliziert", so Mügge. Das Interesse schwinde, Party's und neue Medien seien heute viel interessanter. Außerdem würde die Prüfung zum Lizenzerwerb viele vom Amateurfunk abhalten. "Auch das Basteln und Bauen an Sendern und Empfangsgeräten ist vielen Jungen zu mühevoll", so Mügge weiter.
Die Funkamateure geben nicht auf, machen sich stark für ihr Hobby. Denn was wären Mobilfunktelefonierer ohne Funkamateure? Schließlich waren sie es, die eine der Grundlagen zu dieser Erfindung leisteten. Und auch Funkamateure sind es, die in Notfällen und bei ausfallenden Telefonnetzen noch immer Kontakt zur Außenwelt schaffen.
von Silvia Worm, LN
mit freundlicher Genehmigung der Lübecker Nachrichten
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